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Human Design Verdauungstypen: Tipps für effizientes Arbeiten als Freelancer

Human Design Verdauungstypen: Tipps für effizientes Arbeiten als Freelancer

Zwölf Verdauungstypen listet mein Basis-Reading (55 Seiten, für knapp 60 Euro von einer Freundin geschenkt) – und keiner davon hat mit einem Ernährungsplan zu tun. Als Wirtschaftsanalystin lese ich sowas erst mal wie ein Leistungsverzeichnis: Was wird hier eigentlich gemessen, und was bringt mir das als Freelancerin am Schreibtisch? Die Antwort liegt im PHS, dem Primary Health System – dem Teil des Bodygraphs, der nicht danach fragt, was du isst, sondern unter welchen Bedingungen dein Körper Nahrung und Information am saubersten verarbeitet.

Was ist das PHS überhaupt – und wieso kein Ernährungsplan?

Fachlich sitzt das PHS zwischen den neun Zentren und den 64 Toren des Bodygraphs, bleibt aber angenehm konkret: sechs Grundkategorien, sogenannte Farben, jede davon in eine linke oder rechte Ausrichtung gesplittet. Macht zusammen zwölf mögliche Ausprägungen. Skeptisch war ich trotzdem, aber genau an dieser Stelle wurde aus vagem Vokabular eine Matrix, mit der sich tatsächlich arbeiten lässt.

Bevor ich beim PHS gelandet bin, hatte ich schon andere Selbstanalyse-Tools durchprobiert. Ein StrengthsFinder-Assessment zum Beispiel, aus einer früheren Weiterbildung übrig – die Kategorien dort blieben mir zu breit, um daraus konkrete Handlungsschritte für einen Arbeitstag abzuleiten. Ob ich "analytisch" oder "fokussiert" als Talent führe, sagt mir nichts darüber, ob ich bei Tageslicht oder nachts meine beste Analyse abliefere.

PHS-Bodygraph-Ausschnitt mit markierten Farben der zwölf Verdauungstypen.

Die zwölf Verdauungstypen im Überblick

Appetit steht für sequenzielle Aufnahme – eine Aufgabe nach der anderen, ohne Multitasking. Geschmack ist der wählerische Typ: Man arbeitet nur richtig an dem, was einen inhaltlich wirklich reizt. Durst bringt die Temperatur ins Spiel, heiß oder kalt, mit spürbarer Wirkung auf die Konzentration. Bei Berührung entscheidet die Umgebung, ob Menschen um einen herum sind oder nicht. Klang beschreibt den nötigen Geräuschpegel, hoch oder niedrig. Und Licht bestimmt, ob jemand tagsüber oder nachts die klarsten Gedanken hat.

Wichtig dazu, bevor jemand das Reading als Diät-Anleitung liest: Ich bin keine Ernährungsberaterin, und das PHS ersetzt keine medizinische Abklärung. Bei echten Verdauungsbeschwerden gehört das Thema in eine Arztpraxis, nicht in einen Bodygraph.

Muss ich meinen Typ auch als Freelancerin strikt befolgen?

Zdravka Tomasović aus unserer Telegram-Vergleichsgruppe hat genau das neulich gefragt: ob ein "Low Sound"-Typ wie meiner im Alltag überhaupt Wahlfreiheit hat, oder ob man sich der Vorgabe komplett unterordnen muss. Kurze Antwort: nein, aber ignorieren sollte man sie auch nicht.

Am Carlsplatz-Markt hat mich das kürzlich ganz praktisch eingeholt. Eine Bekannte aus dem Coworking-Umfeld wollte mit mir zwischen den Marktständen an einem Stehtisch weiterarbeiten, mitten im Stimmengewirr und Geschirrklappern.

Ich habe abgesagt, und meine Schultern sind dabei regelrecht nach unten gerutscht, so klar war die Erleichterung.

Als Faustregel reicht: Sobald eine Aufgabe echte Konzentration braucht, hat die PHS-Vorgabe Vorrang vor sozialen Verabredungen. Bei Routineaufgaben ist die Abweichung meist zu verschmerzen.

Noise-Cancelling-Kopfhörer neben Human-Design-Reading-Unterlagen als Low-Sound-Anpassung für Freelancer.

Basis-Reading gegen Business-Reading: Wo sich die PHS-Angaben unterscheiden

Fürs Gegenchecken habe ich das Business-Reading dazugekauft und beide Auswertungen nebeneinandergelegt. Der PHS-Teil bleibt inhaltlich stabil zwischen beiden Berichten, nur die Verpackung ändert sich: Das Basis-Reading bleibt bei der biologischen Ebene, das Business-Reading versucht den Sprung zur Arbeitsleistung.

Mein Kontakt Gereon Ackermann, mit dem ich mir gelegentlich einen Tisch im Coworking-Space in Bilk teile, hat die Überschneidungen für mich noch einmal gegengerechnet, weil er bei solchen Prozentangaben grundsätzlich misstrauisch ist. Sein Ergebnis deckte sich mit meinem: rund 15 Prozent der Sätze im Business-Reading wiederholen den Inhalt aus dem Basis-Reading fast wortgleich.

Kriterium Basis-Reading Business-Reading
Seitenanzahl gesamt ca. 55 ca. 45
Fokus PHS Biologisch/Gesundheit Produktivität/Fokus
Wiederholungsrate - ca. 15% (Überschneidungen)
Konkrete Tipps Hoch Mittel

Nicht überzeugend fand ich dagegen den Schattenthemen-Abschnitt im Business-Reading: Da wurden vor allem generische Ängste vor der Selbstständigkeit aufgelistet, wie man sie in jedem zweiten Management-Ratgeber findet, für mich blieb das leer.

Die Erkenntnisse zum Verdauungstyp hängen oft mit der passenden Arbeitsumgebung zusammen. Wie der physische Ort die Leistung beeinflusst, habe ich separat aufgedröselt in der Analyse zum optimalen Arbeitsort für Freelancer.

Was, wenn die Vorgaben im Kundenprojekt nicht praktikabel sind?

Mein unkonventioneller Umgang damit: Während intensiver Fokusphasen ignoriere ich die PHS-Vorgabe bewusst, wenn das Befolgen selbst der größere Störfaktor wäre. Sitze ich mitten in einer mehrstündigen Analyse für ein Kundenprojekt und bin im Flow, unterbreche ich den nicht, nur um rituell in Stille zu essen. Die Wechselkosten beim Task-Switching wiegen in dem Moment schwerer als der Vorteil einer "korrekten" Mahlzeit.

Ich nutze das PHS eher als Diagnose-Werkzeug denn als Vorschrift. Blockiert das Denken, prüfe ich, ob ich gerade gegen meine eigene Spezifikation arbeite. Ist das der Fall, passe ich an. Ist es das nicht, suche ich die Ursache woanders.

Leichtes Mittagessen neben Laptop während einer Freelancer-Analysephase nach PHS-Verdauungstyp.

Drei Anpassungen, die im Alltag tatsächlich etwas bringen

Als ich die drei Berichte für den direkten Vergleich ausgedruckt habe, Seite für Seite, ist mir im Arbeitszimmer in Flingern aufgefallen, wie sehr mich sogar der Einzug meines eigenen Druckers aus der Konzentration reißt, ein Klick-Klick-Klick, das bei einem "Low Sound"-Typ offenbar nicht neutral bleibt. Seit letztem Herbst hängt an der Zimmertür, direkt neben dem Blick auf den Kastanienbaum im Innenhof, eine laminierte Übersicht der zwölf Typen, mehr Spickzettel als Deko.

Für die drei Ausprägungen, die im Alltag am meisten Reibung erzeugen, lohnt sich ein genauerer Blick. Beim Typ Durst zählt die Temperatur der Getränke am Schreibtisch – ein "Kalt"-Typ, der literweise heißen Tee trinkt, bremst damit unbemerkt die eigene Konzentration. Beim Typ Licht entscheidet Tag oder Nacht: Wer als Nachttyp die Frühaufsteher-Routine anderer Freelancer kopiert, arbeitet dauerhaft gegen die eigene Biologie. Beim Typ Berührung geht es um Bewegung – manche brauchen Unruhe im Körper, um klar zu denken, andere brauchen komplette Stille in den Gliedern.

Wer die eigene Arbeitsweise strukturierter planen will, findet dazu mehr in meinem Beitrag zu Human Design für Projektmanagement. Und wie autark man als Freelancer wirklich arbeitet, hängt auch mit der Definition und der Split Definition zusammen – ein Thema für sich.

Unterm Strich bleiben die Verdauungstypen für mich kein spirituelles Bekenntnis, sondern ein strukturierter Selbsttest am eigenen Körper. Kleine Anpassungen – weniger Hintergrundgeräusch, die richtige Getränketemperatur, der passende Zeitpunkt für die Mittagspause – lassen sich genauso nüchtern prüfen wie eine Bilanz. Nicht jede Vorgabe hält dem Alltag stand, aber genug davon, um beim nächsten Kundenprojekt bewusster zu entscheiden, wann Stille wirklich nötig ist und wann nicht.

Wichtig:
Die Informationen auf dieser Seite basieren auf persönlichen Erfahrungen und dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Sie ersetzen keine professionelle medizinische, finanzielle oder rechtliche Beratung. Konsultieren Sie immer einen qualifizierten Fachmann, bevor Sie Entscheidungen treffen, die Ihre Gesundheit oder Finanzen betreffen.

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